Samstag, Oktober 06, 2012

Streit um Cholesterinsenker-Streichfett geht weiter
foodwatch: Margarine mit Pflanzensterinen gehört in die Apotheke

Nach Risiken und Nebenwirkungen sollten gesundheitsbewusste Menschen ach Ansicht der Verbraucherorganisation foodwatch ihren Arzt oder Apotheker fragen, bevor sie den unter anderem einst vom Ex-Fussball-Idol Paul Breitner beworbenen Cholesterinsenker Becel Pro aktiv auf den Frühstückstische stellen und sich die Margarine aus dem Haus Unilever aufs Brot streichen.Der gerichtliche Streit zwischen foodwatch und dem Nahrungsmittelkonzern Unilever darüber, ob die mit Pflanzensterinen angereicherte Margarine unter Umständen genau das verursachen kann, was sie eigentlich verhindern soll - nämlich Gefäßerkrankungen , oder nicht geht weiter.

Das Landgericht Hamburg hat die Verhandlung gegen den Nahrungsmittelkonzern Unilever um den Cholesterinsenker Becel pro.activ jetzt neu eröffnet. Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft dem Hersteller vor, Hinweise auf Nebenwirkungen der Margarine zu leugnen. Ziel der Klage ist es, die weitere Verbreitung der nach Ansicht von foodwatch unwahren Aussage, nach der es "aus wissenschaftlicher Sicht keinen Hinweis" auf Nebenwirkungen von Becel pro.activ gebe, zu untersagen.

"Unilever kann die Sicherheit seines Produktes nicht glaubhaft belegen, sondern verstrickt sich in Widersprüche", erklärte foodwatch-Sprecher Oliver Huizinga. "Gleichzeitig erweckt das Unternehmen den Eindruck, als gebe es noch nicht einmal Hinweise auf Nebenwirkungen - das ist unverantwortlich. Die Wiedereröffnung der Verhandlung zeigt, dass erheblicher Klärungsbedarf besteht."

An der Unbedenklichkeit der mit Pflanzensterinen angereicherten Margarine Becel pro.activ gibt es nach Ansicht von foodwatch erhebliche Zweifel:
  • Mehrere wissenschaftlicher Studien hat den Verdacht erhärtet, dass die der Margarine zugesetzten Pflanzensterine das verursachen können, was sie eigentlich verhindern sollen: Ablagerungen in den Gefäßen und damit ein erhöhtes Risiko auf Herzkrankheiten.
  • Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich für eine Neubewertung von flanzensterinen und gegen jede weitere Zulassung neuer Pflanzensterin-angereicherter Lebensmitteltypen ausgesprochen. Gesunde Menschen ohne Cholesterinproblem warnt das BfR ausdrücklich vor dem Verzehr von Produkten wie Becel pro.activ.
  • In der mündlichen Verhandlung am 17. August bestätigte Unilever vor Gericht, dass Lebensmittel mit hochkonzentrierten Pflanzensterinen zu Ablagerungen in den Gefäßen führen können.
  • Als Kronzeugen für die angebliche Nicht-Existenz von Nebenwirkungen zieht Unilever den Gießener Wissenschaftler Prof. Hans-Ullrich Klör heran - dieser wird am 2. Oktober 2012 in der Berliner Zeitung jedoch damit zitiert, dass das Risiko für Nebenwirkungen bei Pflanzensterin-Produkten lediglich "deutlich geringer" als bei anderen Produkten oder Medikamenten sei. Damit, so foodwatch in seiner Presseerklärung werde gesagt, dass bei solchen Lebensmitteln doch Nebenwirkungen möglich sein können. 
Dennoch hatte Unilever - unter anderem in einer Presseerklärung - Prof. Klör damit zitiert, dass es "aus wissenschaftlicher Sicht keinen Hinweis" auf Nebenwirkungen gebe. Gegen die Verbreitung dieser Aussage richtet sich die Unterlassungsklage von foodwatch.

foodwatch forderte Unilever auf, die kritischen Studien nicht länger zu ignorieren und Becel pro.activ nicht mehr frei verkäuflich im Handel anzubieten, sondern allenfalls noch auf ärztliches Rezept in der Apotheke. "Ein solches Produkt hat im Supermarkt nichts verloren", so Oliver Huizinga. "Hätte der Hersteller nicht nur den Umsatz, sondern auch die Gesundheit seiner Kunden im Blick, würde er für die Margarine ein arzneimittelrechtliches Zulassungsverfahren durchlaufen und die Sicherheit in klinischen Langzeitstudien erforschen, bevor er sie Menschen zum Frühstück empfiehlt." Mit einem Urteil in dem Gerichtsverfahren wird für Mitte Dezember gerechnet.

jos

Kommentare:

  1. man ... und das Zeug hab ich im Kühlschrank stehen!!! Andrea

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